Die mediale Zukunft wird spannend, sagt der Journalist Andreas Ryll. Nur sollten wir uns optimaler mit den Möglichkeiten der KI arrangieren.

Wir schreiben das Jahr 2017/18. Die Politik spricht davon, dass Deutschland digitaler werden muss. Lassen wir die letzten 20 Jahre Revue passieren. Jeder kann für sich und in seinem Umfeld  die schier unglaublichen Wandlungen vor Augen führen, die stattgefunden haben. Doch gemessen an diesen enormen technischen Weiterentwicklungen, wie werden wir in 20 Jahren kommunizieren und leben? Schon heute sind unter dem Stichwort der KI, also der künstlichen Intelligenz, Dinge möglich, die bislang als unmöglich galten.

Ein Computer malt wie Rembrandt
Vier Jahrhunderte Jahre nach dem Tod des niederländischen Meisters, schafft ein Computer einen neuen Rembrandt.

Trailer für Kinofilm eigenhändig vom Computer erstellt
IBMs KI Watson produziert Trailer.

Wer sagt, dass da ein Mensch spricht oder singt?
Die spanische Firma VOCTRO LABS kann menschliche Stimmen erzeugen.

Stammt dieser Text von einem Menschen oder einem Roboter?
Schon heute können Texte von Robotern geschrieben werden. In 30 bis 100 Millisekunden entsteht ein neuer Text und jeder ist anders. Firmen wie AX Semantics bieten die Tools für das automatisierte Verfassen von Texten. Ende 2017 spricht AX Semantics CVO Frank Feulner im BRF Interview (siehe unten) von 20 bis 30 Millionen automatisiert generierten Texten deutschlandweit. Weitere Unternehmen mit konkreten Anwendungsbeispielen sind unter anderem

Künstliche Intelligenz zum Nachlesen
Die technische Entwicklung vollzieht sich enorm schnell. Um so wichtiger ist es, dass wir uns mit der Thematik KI Künstliche Intelligenz auseinandersetzen. Der deutsche Bundesverband Bitkom hat hierzu eine 228 Seiten starke Broschüre herausgegeben. Darin werden Fragen aufgeworfen, „Was bedeutet der sich abzeichnende verstärkte Einsatz von KI für Privatpersonen (Verbraucher), Unternehmen, politische Parteien, weitere gesellschaftliche Gruppen und Organisationen, für die Wahrnehmung von Bürger- und Freiheitsrechten, für politische Prozesse (Vielfalt, Meinungsbildung) und Entscheidungen? Welche ethischen Grundsätze sollten für Systeme gelten, die auf KI setzen?“. Die Bitkom-Broschüre „Künstliche Intelligenz – Wirtschaftliche Bedeutung, gesellschaftliche Herausforderungen, menschliche Verantwortung“ bekommen Sie im kostenfreien Download. Darin erfahren interessierte Leser zum Beispiel, dass die Warenhauskette „real“ bereits ein KI-System eingesetzt hat, das die Gesichter der Kunden im Kassenbereich analysiert, Alter und Geschlecht erkennt. So konnten dann Kunden zielgruppen-spezifische Werbebotschaften gezeigt werden (vgl. S.46). Laut diversen Medien hat real das System aber bereits wieder auf Eis gelegt.

Foto Andreas Ryll

Bernhard von Mutius mit interessanten Tipps, wie Unternehmen sich für die Zukunft wappnen können.

Disruption und „Disruptive Thinking“
Im Zusammenhang mit der KI muss auch der Prozess der Disruption genannt werden. „Gerade weil der Begriff KI nicht klar gefasst ist und im Prinzip auch ganz pauschal als Ziel praktisch aller IT-Anwendungen formuliert werden kann, kommt es wegen der immer schnelleren Innovationsdiffusion zu einer gefühlten »ständigen Disruption« und damit verbunden auch zu ernstzunehmenden Ängsten von Teilen der Bevölkerung, hier Opfer eines nicht mehr aufhaltbaren Prozesses der Technisierung zu werden. Stichworte sind Datensammelwut, gläserner Kunde, Rationalisierung von Arbeitsplätzen, etc.“, nachzulesen in der aktuellen Bitkom-Broschüre „Künstliche Intelligenz – Wirtschaftliche Bedeutung, gesellschaftliche Herausforderungen, menschliche Verantwortung“ (S.35).
Als bekanntestes Beispiel in Bezug auf Disruption wird oft Nokia genannt, das im Jahre 2007 das neue iPhone völlig unterschätzt hatte – und schließlich mit den entsprechenden Konsequenzen konfrontiert wurde. Autor Bernhard von Mutius spricht deswegen in seinem Buch von „Disruptive Thinking“ und rät damit Unternehmern, die Prozesse der Disruption für sich zu nutzen. „Sei überraschend einfach“ lautet seine Handlungsempfehlung im neu erschienen Werk im Gabal Verlag. Im BRF hat er dazu im Interview noch weitere Tipps gegeben und erklärt, warum diese „disruptive Denkweise“ zukunftsweisend ist.